Kritiken

Rezensionen/ Buchbesprechungen 

Pflegebedürftigkeit - was nun? Wenn die Eltern älter werden

 

September` 99,

Die Beziehung zu den Eltern ist eine der engsten, die wir im Laufe unseres Lebens eingehen, auch wenn sie oft nicht harmonisch verläuft, sondern problematisch und spannungsgeladen sein kann. ...Bevor in dem Buch Themen wie Pflegeversicherung, ambulante Pflegedienste oder Altenheim zur Sprache kommen, widmet der Autor sechs ausführliche Kapitel der persönlichen Auseinandersetzung mit der neuen Situation " älterer Eltern". Das Buch hilft, sich eingehend auf diese neue Aufgabe vorzubereiten. Dabei kommen seelische Probleme für den Pflegenden ebenso zur Sprache wie körperliche Belastungen durch die tägliche Pflegearbeit. Eine Vielzahl von Fallbeispielen zeigt die unterschiedlichsten Situationen, aus denen sich die Frage ergeben wie " Kann und möchte ich meine Eltern pflegen?" oder " Bin ich der Situation langfristig gewachsen?". An diese Beispiele schließt sich immer die Fragestellung an " Was ist zu tun?" und" Was kann man daraus lernen?". Mit ihrer Beantwortung erhält der Leser vielseitige Anregungen, die eigene Situation zu hinterfragen und zu einer individuellen Lösung zu gelangen. Das Buch macht Mut, es zeigt aber auch die Grenzen und Probleme bei der Pflege der Eltern, an denen man nicht vorbeikommt. " Pflegebedürftigkeit - was nun?" ist ein Handbuch im wahrsten Sinne des Wortes. Es nimmt die Betroffenen verständnisvoll und ehrlich an Hand und führt sie zu allen Themen, die im Zusammenhang mit der Pflege der Eltern oder anderer Familienangehöriger entstehen - angefangen bei den praktischen Möglichkeiten der Pflege bis hin zu den psychischen und physischen Belastungen der pflegenden Angehörigen. Das Buch eignet sich hervorragend für eine erste Beschäftigung mit dem Thema - wenn die Kinder merken, dass ihre Eltern älter werden und sie kurz - oder mittelfristig Hilfe brauchen. Und es ist auch dann ein guter Ratgeber, wenn die Situation bereits sehr real ist und praktische Lösungen gefunden werden müssen.

 

Barbara Winter, Berlin

 

OBERHESSISCHE ZEITUNG, Alsfeld, den 18.Februar 1999

In Zeiten, in denen die Menschen immer älter werden, kommt eine neue, große Herausforderung auf unsere Gesellschaft zu - die Betreuung und Pflege der Senioren. Altenheime und Seniorenresidenzen sind oft zu teuer, so das vielen Kindern oft nur eine Möglichkeit bleibt - die Pflege ihrer Eltern bei sich Zuhause. Bährs wichtigtste Erkenntnis: Viele Menschen sind auf eine Pflegesituation nicht vorbereitet. ..." Viele Menschen verdrängen über Jahre den Gedanken an einen möglichen Pflegefall in der Familie," weiß der Autor. " Wenn man dann plötzlich vor der Situation steht, ist die Ratlosigkeit groß." "Viele Familien," spricht Bähr aus seiner beruflichen Erfahrung, halsen sich dann auch aufgrund von Unwissenheit und Unerfahrenheit zuviel auf. " Und dies ist schädlich für die Zupflegenden, als auch für die Angehörigen. Daher gibt Bähr in seinem Ratgeber, immer wieder anhand von praktischen Beispielen, Lösungen an. " Es ist ganz wichtig, dass das Thema Pflege nicht totgeschwiegen wird," formuliert er eine seiner Hauptthemen. Schon früh solle man sich in der Familie darüber im Klaren sein, wer wen im Falle eines Falles pflegt. Zudem, so der gelernte Krankenpfleger, sollten sich beide Seiten auf die veränderten Lebensbedingungen einstellen. Dabei stehe einerseits die Pflegeperson unter großem Druck, da sie ein Großteil ihrer Freizeit opfert und enorme psychische und physische Belastungen auf sich nehme. " Die Betreuung rund um die Uhr kostet mehr Kraft, als viele es sich vielleicht vorstellen," weiß Bähr. ..."Und letztendlich leidet auch der ältere Mensch, der sich in seiner Pflegebedürftigkeit häufig nutzlos und einsam vorkommt."

 

EKZ, Reutlingen

 

Wieder eine sehr empfehlenswerte Neuerscheinung des Verlages zum Thema Pflege. In übersichtlicher Gliederung beschreibt der Autor, Krankenpfleger und Lehrer für Pflegeberufe, die zentralen finanziellen, pflegepraktischen, sozialen und psychologischen Aspekte der Pflegebedürftigkeit, ohne die Bedeutung der jeweils spezifischen Konstellationen der Pflegenden und des zu Pflegenden zu vernachlässigen. Gerade sein Kredo für individuelle Lösungen und die an aktuellen Beispielen erläuterten vielfältigen Möglichkeiten des Umgangs mit den Leistungen der Pflegeversicherung werden sehr differenziert und anschaulich dargestellt und in Beziehung zu den wesentlichen Aspekten des Betreuungsgesetzes gebracht. So wird konkret beschrieben, wie man sich auf die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) vorbereiten kann. Die Einmietung in eine Altenheimwohnung wird ebenso vorgestellt wie die Inanspruchnahme einzelner sozialer Dienste ( UMFANGREICHER Adressenteil ). - Ergänzend zu J. Wernig ... für alle Bestände empfohlen.

Christiane Laubisch

 

Weitere Rezensionen sind bisher erschienen bei:

HEINER, Darmstadt; Okt. ‚99; CARE - FACHJOURNAL, Sept. `99; VISION und PROFESSION, Nov. `99, Jahrgang 52; PRO SENECTUTE, Schweiz, Fachstelle für angewandte Altersfragen; Kinzigtal-Nachrichten, "Pflege ist eine Knochenarbeit"; 15.12. 2002 bei 3Sat, Sendung 37 Grad: Wenn Eltern Pflege brauchen und Videotext.