Fachbuch

Pflegebedürftigkeit - was nun? Wenn die Eltern älter werden
URBAN & FISCHER, München

1 Einleitung - Anstelle eines Vorwortes

... Ich habe mich deshalb entschlossen dieses Buch zu schreiben, weil ich Tag für Tag miterlebe, welche Last und pflegerisches Aufgabenpotential sich Menschen auferlegen, die ihre Eltern, Großeltern bzw. Partner pflegen. Hierzu zählen Frauen und Männer, die von heute auf morgen mit der Pflegebedürftigkeit der Mutter, des Vaters, der Schwiegermutter, des Schwiegervaters, der Tante oder des jeweiligen Lebenspartners konfrontiert werden. Niemand hat ihnen ihre Entscheidung abgenommen. ... Den wenigsten war bewusst, dass sie sich auf diese Lebensaufgabe hätten vorbereiten müssen. Doch aus vielerlei Gründen, die in diesem Buch besprochen werden, wurde ihnen diese Möglichkeit nicht gegeben. Ihre Erkenntnis wuchs erst mit den Pflegeerfahrungen, die sie mit ihren Eltern oder Lebenspartnern machen mussten. Am häufigsten übernehmen die Frauen die Aufgabe des Pflegens in der Familie. In Deutschland sind acht von zehn Pflegepersonen Töchter, Ehefrauen und Schwiegertöchter. Solch ein soziales Engagement geschieht meist still und ohne großes Aufheben hinter verschlossenen Türen. Frauen und Männer sollten sich jedoch genauestens mit der Situation und einer eventuell notwendigen Pflege ihrer Eltern auseinandergesetzt haben, bevor sie sich für die Übernahme der Verantwortung entscheiden.

 

1.1 Eine Tochter erzählt über das Älterwerden ihrer Eltern

" ... In einem Nachbarhaus von uns kenne ich eine junge Frau in meinem Alter, die ihre Schwiegermutter unterstützt und pflegt. Die sagt immer wieder, das sei Knochenarbeit , die ihre Seele auffrisst, doch es gebe ihr auch etwas, etwa Achtung vor dem alten Menschen. Und sie habe das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben. Ich jedenfalls stelle mir das ziemlich anstrengend vor, und ich weiß nicht, ob ich das alles leisten will und kann. Ehrlich gesagt, bin ich hin- und hergerissen."

 

1.2 Zur Wertschätzung der Angehörigenarbeit ...

Pflege zu Hause kann gelingen, aber auch scheitern, darum sollten Sie sich schon im Vorfeld mit dieser Pflegesituation auseinandergesetzt haben. Dabei soll Ihnen besonders das folgende Kapitel 2 dieses Buches Unterstützung, Orientierung, neue Denkanstöße und Hilfe bieten.

 

3 Vorbereitung auf die eingeschränkte Beweglichkeit im Alter

 

Niemand kann sich klar und deutlich vor Augen führen, wie es ist, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, vor allem dann nicht, wenn man selbst in der Blüte des Lebens steht und seinen Alltag selbstständig gestalten und genießen darf. Höchstens die Betroffenen selbst, wenn sie nach entsprechenden Krankheiten kaum noch drei Treppenstufen in ihre Wohnung hinaufsteigen können oder der Weg zum Supermarkt zur Weltreise wird. Dann werden jeder Handgriff, jede kurze Wegstrecke, jeder Treppenaufstieg, der Gang zur Toilette oder zum Kühlschrank, der Einstieg in die Badewanne, der früher so leichtfüßige Sprung ins eigene Bett, der nur noch mühsame Umgang mit Messer und Gabel oder der nur noch beschwerlich zu führende Füllfederhalter zum persönlichen Wagnis und Abenteuer.

 

4 Rollenwechsel und neue Beziehung zu den Eltern

Wenn Sie daran denken, die Unterstützung und Pflege Ihrer Eltern zu übernehmen, dann muß Ihnen bewußt sein, daß Sie einen Rollenwechsel vornehmen, der auch einmal schnell und ohne Vorwarnung auf Sie zukommen kann. Sie dürfen Ihre Rollen aber nur annehmen, wenn Sie sich mit der eigenen Rolle und deren Inhalten identifizieren. Wenn Sie Ihren Part nicht mit Haut und Haaren spielen wollen, sollten Sie Ihre Rolle zurückgeben. Sie haben dann die Sicherheit, dieses Stück nicht verpatzt zu haben. Wenn Sie sich als erwachsenes Kind auf die rolle einer bzw. eines Pflegenden Ihrer Eltern vorbereiten können, haben Sie die Möglichkeit, sich auf diese sehr schwierige und intensive Beziehungsarbeit zusammen mit Ihren Eltern realistisch einzulassen. Haben Sie sich dann zur Übernahme der Verantwortung für Ihre Eltern entschieden, übernehmen Sie unweigerlich eine verantwortungsvolle Hauptrolle. Die andere Hauptrolle übernehmen Ihre Eltern. In diesem Fall gibt es keine Nebenrollen. Jede Person ist wichtig und einzigartig in ihrem Wesen und ihrer Lebensweise.
An dieser Stelle des Stückes beginnen die eigentlichen Probleme, d.h. die Beziehungsprobleme, und die können Sie nur durch klare Rahmenabsprachen lösen.
...
Einige, weitere Kapitel aus dem Buch:
· Unterstützung aus der eigenen Familie
· Psychische und physische Belastungen
· Die Pflegeversicherung
· Wie wird die Pflegeversicherung in Anspruch genommen?
· Was ist zu beachten, wenn der Medizinische Dienst sich ansagt?
· Die Pflege zu Hause · Ambulante Pflegedienste · Worauf müssen Sie bei Pflegediensten achten?
· Mit dem mobilen Pflegedienst abrechnen
· Kombinieren ist besser - Pflegegeld und Sachleistungen
· Die Einmietung in ein Altenwohnheim bzw. Altenpflegeheim
· Soziale Dienste - Die Krankenkassen können helfen
· Wesentliches zum Betreuungsgesetz
· Hilfestellungen
· Beratungsstellen für Angehörige
· Tagespflege, Nachtcafes und Kurzeitpflege
· Seniorenbüros
· Der Weg durch die Sozialgerichte
· usw.