Was Sie vielleicht noch nicht wussten

ÜBER DAS SCHREIBEN, DIE SCHREIBWERKSTATT UND DIE BIBLIOTHERAPIE

 

Schlüsselworte: Aufschreiben, Tagebuch, Skizzieren, Stabilisierende, heilende Wirkung; Bibliotherapie, Prävention zur Gesundheitsförderung, Intervention, Pflegeinterventionsklassifikation (NIC)

 

 

Das Lesen, Erzählen, Aufschreiben und Geschichten schreiben, besitzt u.a. eine stabilisierende, heilende Wirkung. Diese Richtung des Lesens, Schreibens, Erzählens und der Geschichtenentwicklung wird Bibliotherapie genannt. Sie wird bisher in der Betreuungs- und Pflegearbeit viel zu wenig genutzt. Auch innerhalb der Prävention zur Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung oder als Unterstützung bei Menschen, die an einem Burnout - Syndrom erkranken oder innerhalb der Palliative-Care kann diese Form der Intervention zur Anwendung kommen (Pflegeinterventionsklassifikation - NIC)

                                                                         

 

"Nicht das Ziel ist das Ende des Aufschreibens bzw. der Geschichte, sondern das Ende einer Geschichte ist der Beginn neuer Wahrheiten und Sichtweisen und die müssen fortgeschrieben werden.
Schreiben alleine ist Ziel genug, doch vor allem ist es der Beginn einer persönlichen Entwicklung
."
©Matthias Bähr

 

Tagebuch schreiben und Geschichten erzählen (z.B. Biographisches Erzählen), fördert das Verstehen des Relevanten, worum es im privaten oder im beruflichen Alltag geht. Die Blickrichtung auf die jeweilige Situation wird eingeübt. In diesem Zusammenhang kommt es weniger auf den literarischen Anspruch an als vielmehr auf den kommunikativen Charakter des Aufschreibens und Erzählens (*Ich beginne mich selbst besser kennen zu lernen und erfahre was ich u.U. noch in meinem Leben in Angriff nehmen kann oder sogar muss aber auch schlichtweg vergessen darf).

 

TIPP: Eine Möglichkeit: "Beginnen Sie das aufzuschreiben, was Ihnen einfällt!" Halten Sie sich nicht mit dem Gedanken auf, ob dieses Wort jetzt GROSS geschrieben wird oder klein. Wo kommt das Komma hin usw.?  

 

Versuchen Sie es einmal selbst:

Als Selbstversuch. Einfach so. Eine halbe Stunde pro Tag. Die Freude daran kommt ganz von alleine, wenn Sie merken, dass Ihnen diese Form liegt, und Sie sie als mögliche Form einer Intervention in Ihre berufliche Arbeit einzubinden gedenken.

Lesen entwickelt den eigenen Blick über den Tellerrand. Erzählen bringt eine kleine Zahl an Zuhörer (auch wenn ich mir alleine genüge und mir alleine zuhöre) und es findet ein Austausch statt, der das Zuhören trainiert. Auf-Schreiben verändert die eigene Person nachhaltig, und das Schreiben wird zu einem persönlichen Schutzraum; Geschichten selbst entwickeln, ist eine Kommunikationsform, die Veränderungen in die Hand nimmt und sie zu einem Ziel bringt.
Der Weg dorthin ist Spiel und gleichzeitiges Suchen und Finden von Strategien im Leben durch das Schreiben selbst. Das Ende des Geschichten-Schreibens ist das Darstellen von Spiegelbildern und Protagonisten unterschiedlicher Lebensebenen, Begegnungen und Berührungen mit Menschen, die in unser Leben eingegriffen haben, es kreuzen oder begleiten. Die Schreiberin bzw. der Schreiber betrachtet nach Abschluss des Tagebucheintrages, der Erzählung die Wirklichkeit aus einer unabhängigeren Position. Die Sichtweisen werden klarer  und damit unterscheidbarer*.